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Eine Buchbesprechung von Markus Herrmann, Ingolstadt
Franz von Assisi ist der vielleicht bedeutendste und bekannteste Heilige der gesamten Kirchengeschichte, abgesehen von den Aposteln und unmittelbaren Zeugen des Erdenlebens Jesu. Mehrere Ordensgemeinschaften führen sich auf ihn zurück und sein Sonnengesang und seine Vogelpredigt sind den meisten Menschen, auch den kirchlich weniger Engagierten, ein Begriff. Die Wirkungsgeschichte des „zweiten Christus“, wie er auch manchmal genannt wird, ist immens. Kaum zu zählen sind die Menschen, die sich von Franz von Assisi inspirieren und zu einem Leben in der Nachfolge Christi anregen ließen.
Der Ingolstädter Theologe und Journalist Raymund Fobes hat nun im Kühlen-Verlag in Mönchengladbach das Buch „In den Fußspuren des Poverello“ veröffentlicht. Auf 143 Seiten stellt er, wie der Untertitel lautet, „franziskanisch geprägte Persönlichkeiten vom Mittelalter bis in die Gegenwart“ vor. Es sind zahlreiche bekannte Selige und Heilige darunter wie die Kapuziner Konrad von Parzham, Laurentius von Brindisi, Felix von Cantalice, oder Franziskaner wie die Theologen Johannes Duns Scotus und Bonaventura, auch die heilige Elisabeth von Thüringen und Papst Johannes XXIII. Daneben hat Fobes aber auch eher weniger renommierte Persönlichkeiten wie die seligen Elisabeth von Reute, Mutter Rosa Flesch oder Odorich von Pordenone aufgespürt und porträtiert.
Der Theologe ist selbst Angehöriger des Dritten Ordens des heiligen Franziskus, der Laienbewegung der Franziskaner. Er erzählt farbig, spannend und anschaulich aus dem Leben dieser großen Gestalten, mit zahlreichen anregenden Anekdoten und wenig bekannten Einzelheiten. Wer weiß schon davon, daß etwa Odorich von Pordenone im 13. Jahrhundert weitgehend zu Fuß eine Reise nach China unternommen hat und dort auch in Peking vom Großkhan empfangen wurde? Auch der Musiker Franz Liszt war Mitglied des Dritten Ordens und komponierte etwa den Sonnenhymnus für Chor, Orchester und Orgel und weitere Werke über Franziskus und Elisabeth von Thüringen. Er sagte von sich, er sei zur Hälfte Franziskaner und zur anderen Hälfte Zigeuner, am Ende seines Lebens war er „zum geistlichen Menschen geworden, der in Christus Heimat gefunden hatte — und dem dabei Franziskus wichtiger Weggefährte war“, schreibt Fobes.
Von dem Poverello ließ sich auch Raimundus Lullus inspirieren, der schon im 13. Jahrhundert den interreligiösen Dialog mit dem Islam führte, wie auch Franz von Assisi selbst. Den Reigen der Persönlichkeiten eröffnet die heilige Klara, die als eine der ersten den franziskanischen Weg entdeckte. Das Buch schließt mit dem in unserer Zeit lebenden Künstler Bert Gerresheim, der unter anderem viele Kreuzwege gestaltet hat, in denen auch Heilige und Selige aus unseren Tagen wie Edith Stein oder Karl Leisner vorkommen. Zu jeder franziskanischen Persönlichkeit findet sich in dem Band eine meist farbige Abbildung des Porträtierten. Hervorzuheben ist auch der eingängige Stil des Buches. Der Autor versteht es, in einer einfachen, aber gleichwohl kunstvollen Sprache den Leser über die bedeutenden Gestalten der franziskanischen Bewegung aufzuklären.
In seinem Vorwort schreibt er: „Im Lauf der Jahrhunderte sind viele zu Franziskus und seinen Gemeinschaften gekommen und haben gespürt, daß es ihnen gut tut, daß es für sie stimmig ist, mit ihm Christus nachzufolgen... Diese Biographien zeigen, daß und wie Franziskus über die Jahrhunderte hinweg fasziniert hat. Es wird deutlich, daß seine Botschaft letztlich zeitlos ist - und dies wohl deshalb, weil sie sich auf Gott ausrichtet, dem es jederzeit ein Anliegen ist, mit uns eine liebevolle Beziehung einzugehen. Gerade aus diesem Bewußtsein hat Franziskus gelebt und gewirkt.“ So ist der Sinn des Bandes von Raymund Fobes ein geistlicher, nämlich noch mehr Menschen und Christen für Franziskus zu begeistern. Dies tut der Autor auf unterhaltsame und wenig aufdringliche Weise, in einem ruhigen Ton, aber mit stimmigen Worten. Es wird deutlich, daß der 1964 geborene Theologe selbst begeistert ist von der christlichen und franziskanischen Botschaft und so auch andere zu ergreifen vermag.
Raymund Fobes:
In den Fußspuren des Poverello –
Franziskanisch geprägte Persönlichkeiten
vom Mittelalter bis in die Gegenwart
erschienen im
ISBN 978-3-87448-362-9
144 Seiten
Texte mit zahlreichen farbigen Abb.
11,5 x 16 cm
Preis: EUR 9,80 - CHF 11,80
ISBN 978-3-87448-362-9
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